Steuerfachangestellte Ausbildung: Dein drittes Jahr im Überblick
von taxspotting Redaktion 06. Juli 2026
Im dritten Jahr deiner Ausbildung zum Steuerfachangestellten arbeitest du schon fast wie ein fertiger Profi: Du übernimmst komplexere Fälle, bereitest dich gezielt auf die Abschlussprüfung vor und bekommst immer mehr Verantwortung im Kanzleialltag.
Einkommensteuererklärung, Jahresabschluss und Mandantenkontakt stehen jetzt besonders im Mittelpunkt. Wer dieses Ausbildungsjahr gut nutzt, schafft den Übergang vom Azubi zur sicheren Fachkraft und legt die Basis für weitere Karriereschritte.
Das Wichtigste in Kürze
- Mehr Verantwortung: Im dritten Ausbildungsjahr bearbeitest du komplexere Mandantenfälle und arbeitest deutlich selbstständiger.
- Einkommensteuer im Fokus: Du prüfst Belege, erfasst Werbungskosten und Sonderausgaben und klärst Rückfragen mit Mandanten.
- Jahresabschluss verstehen: Du bekommst einen besseren Blick für Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Abschreibungen und betriebliche Ausgaben.
- Kommunikation zählt: Mandantenkontakt wird wichtiger – besonders, wenn Unterlagen fehlen oder steuerliche Sachverhalte verständlich erklärt werden müssen.
- Prüfung und Karriere: Die Abschlussprüfung rückt näher. Danach kannst du in der Kanzlei bleiben, wechseln oder dich weiterqualifizieren.
Was das dritte Ausbildungsjahr besonders macht
Im dritten Jahr wird aus der Ausbildung zur Steuerfachangestellten endgültig Arbeitsalltag. Du kennst die Kanzleiabläufe, kannst Buchungssätze bilden, Belege prüfen und einfache Fälle selbst bearbeiten. Jetzt kommen zwei neue Ebenen dazu: mehr Verantwortung und der Blick auf das große Ganze.
Typisch für das dritte Ausbildungsjahr sind:
- komplexere Mandantenfälle mit mehreren Einkunftsarten
- erste Einblicke in vollständige Jahresabschlüsse
- regelmäßiger Kontakt zu Mandanten
- die systematische Vorbereitung auf die Abschlussprüfung
Die duale Struktur zahlt sich jetzt besonders aus:
- In der Berufsschule vertiefst du Themen wie Einkommensteuer, Abgabenordnung und Rechnungswesen.
- In der Kanzlei siehst du parallel, wie diese Regeln im echten Leben wirken. Wenn du später vielleicht Steuerberater werden möchtest, ist dieses Jahr dein Trainingslager.
Zur Orientierung kannst du dir ergänzend Hintergrundwissen holen, zum Beispiel über einen späteren Studienweg im Steuerrecht.
Einkommensteuererklärung: Jetzt wird es fachlicher
Die Einkommensteuererklärung wird im dritten Ausbildungsjahr zum täglichen Begleiter. Du bearbeitest nicht mehr nur einfache Arbeitnehmerfälle, sondern auch Erklärungen für Freiberufler oder Geschäftsführer. Eine Einkommensteuererklärung ist das Formularpaket, mit dem eine Person ihre Einkünfte, Ausgaben und besondere Sachverhalte beim Finanzamt meldet, damit die endgültige Steuer berechnet werden kann.
Du beschäftigst dich zum Beispiel mit:
- Werbungskosten, also beruflich veranlassten Ausgaben wie Arbeitsmitteln, Fachliteratur und Fortbildungen
- der Entfernungspauschale, oft Pendlerpauschale genannt, für den Weg zwischen Wohnung und erster Arbeitsstätte
- Beiträgen zur privaten Rentenvorsorge, die als Sonderausgaben die Steuerlast verringern können
Ein kleines Fallbeispiel aus der Steuerfachangestellte Ausbildung:
Ein Mandant ist angestellt, arbeitet teilweise im Homeoffice und zahlt in eine private Rentenversicherung ein. Deine Aufgaben im dritten Ausbildungsjahr:
- Lohnsteuerbescheinigung erfassen
- Werbungskosten prüfen, etwa für Fahrten, Homeoffice oder Arbeitszimmer
- Beiträge zur Rentenversicherung korrekt als Sonderausgaben eintragen
- Rückfragen stellen, wenn Unterlagen fehlen
Gerade bei diesen Rückfragen lernst du, wie wichtig klare Kommunikation ist. Du prüfst, ob wirklich alle Belege vorliegen und holst dir im Zweifel Rat bei erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Auch im dritten Jahr ist es völlig normal, Fragen zu stellen – niemand erwartet, dass du alles allein weißt.
Jahresabschluss und betriebliche Zahlen besser verstehen
Neben der Einkommensteuererklärung lernst du im dritten Ausbildungsjahr den Jahresabschluss genauer kennen. Ein Jahresabschluss fasst am Ende eines Geschäftsjahres das Vermögen, die Schulden, die Erträge und die Aufwendungen eines Unternehmens zusammen. Er besteht meist aus Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung.
Typische Themen im dritten Jahr sind:
- Prüfung der Finanzbuchhaltung eines ganzen Jahres
- Einordnung von Betriebsausgaben, also Kosten, die durch den Betrieb veranlasst sind
- Bewertung von Forderungen: Werden offene Rechnungen voraussichtlich bezahlt oder müssen sie teilweise abgeschrieben werden?
- Bewertung von Anlagegütern wie Firmenwagen oder Maschinen: Wie viel sind sie nach einigen Jahren noch wert?
Ein Beispiel: Die Kanzlei betreut einen kleinen Handwerksbetrieb mit Firmenwagen, Büroausstattung und einem Streamingdienst. Deine Aufgabe:
- Du prüfst, ob das Streamingkonto privat oder betrieblich genutzt wird.
- Du schaust, ob die Abschreibung für den Firmenwagen richtig berechnet wurde.
- Du kontrollierst, ob alle wichtigen Investitionen im Anlageverzeichnis stehen.
So merkst du schnell, welche Seite der Ausbildung dir besonders liegt: eher die Arbeit mit Privatpersonen und Einkommensteuererklärungen oder die betriebswirtschaftliche Seite mit Jahresabschluss und Zahlenanalyse.
Mandantenkontakt: Klar, freundlich und gut vorbereitet
Im dritten Ausbildungsjahr rückt der direkte Umgang mit Mandanten stärker in den Vordergrund. Mandanten sind die Personen oder Unternehmen, die die Kanzlei beauftragen, ihre steuerlichen Angelegenheiten zu regeln. In der Berufsschule hast du dazu das Fach „Mandantenorientierte Kommunikation und Kooperation“ kennengelernt. Jetzt setzt du dieses Wissen im Alltag um.
Das bedeutet zum Beispiel:
- Du führst Telefonate, um Unterlagen nachzufordern oder Rückfragen zu klären.
- Du bereitest Mandantengespräche vor, etwa mit einer Checkliste der benötigten Belege.
- Du erklärst verständlich, was du brauchst und warum – ohne Fachchinesisch.
Dabei trainierst du Fähigkeiten, die weit über die Steuerfachangestellten-Ausbildung hinausgehen:
- Einfühlungsvermögen, weil Mandanten bei Steuerthemen oft unsicher oder genervt sind
- Struktur, damit am Ende alle offenen Punkte geklärt sind
- Klarheit, damit auch komplexe steuerliche Fragen verständlich bleiben
Deine Rolle im Team: Vom Azubi zum Ansprechpartner
Im dritten Ausbildungsjahr bist du im Team kein Neuling mehr. Du kennst die Software, die Abläufe und viele Standardfälle. Damit wirst du automatisch zur Ansprechperson für neue Auszubildende im ersten Jahr oder zweiten Jahr.
Typische Situationen:
- Ein neuer Azubi weiß nicht, wie Belege für eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung sortiert werden. Du zeigst deinen Weg.
- Ein Kollege aus dem zweiten Jahr ist unsicher, welche Werbungskosten in eine Einkommensteuererklärung gehören. Du gehst mit ihm einen Fall durch.
- In stressigen Zeiten bei Jahresabschlüssen hilfst du, einfache Tätigkeiten zu erklären und zu verteilen.
Für dich hat das zwei Vorteile.
1. Du festigst dein eigenes Wissen, weil Erklären immer auch Wiederholen bedeutet.
2. Du sammelst erste Erfahrung in einer Mentorenrolle, die später für Führungsaufgaben oder den Weg Richtung Steuerberater wertvoll sein kann.
Auch hier zeigt sich, wie breit die Ausbildung angelegt ist: Neben Steuerfachwissen entwickelst du Soft Skills wie Teamarbeit, Konfliktlösung und Verantwortungsbewusstsein. All das gehört zum Profil moderner Steuerexpertinnen und Steuerexperten.
Abschlussprüfung und Karriere nach der Ausbildung
Der wichtigste Meilenstein im dritten Ausbildungsjahr ist die Abschlussprüfung. Sie besteht aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. Inhaltlich geht es unter anderem um steuerrechtliche Sachverhalte, Rechnungswesen, Jahresabschluss, Wirtschafts- und Sozialkunde sowie mandantenorientierte Sachbearbeitung.
Damit du diese Phase gut meisterst, hilft dir eine klare Strategie:
- Wiederhole systematisch den Stoff der Berufsschule aus allen drei Jahren.
- Übe mit alten Prüfungsaufgaben, um dein Zeitmanagement zu trainieren.
- Sprich mit deinem Ausbilder über Stärken und Schwächen, damit du Lücken rechtzeitig schließen kannst.
- Nutze Lerngruppen mit anderen Auszubildenden, um motiviert zu bleiben.
Nach der erfolgreichen Abschlussprüfung stehen dir viele Wege offen. Du kannst:
- als Steuerfachangestellte oder Steuerfachangestellter in der ausbildenden Kanzlei starten
- in eine größere Kanzlei oder in die Steuerabteilung eines Unternehmens wechseln
- nach einigen Jahren Berufspraxis Weiterbildungen wie Steuerfachwirt oder Fachassistent Lohn und Gehalt beginnen
- langfristig den Weg zum Steuerberaterexamen einschlagen
Wenn du das dritte Jahr bewusst nutzt, die Abschlussprüfung gut vorbereitest und dir früh Gedanken über deine nächsten Schritte machst, wird aus deiner Steuerfachangestellte Ausbildung ein stabiler Startpunkt für eine langfristige Karriere im Steuerrecht.
FAQ zur Steuerfachangestellte Ausbildung
Wie schwer ist die Ausbildung zum Steuerfachangestellten?
Die Ausbildung zum Steuerfachangestellten ist anspruchsvoll, weil du Steuerrecht, Rechnungswesen, Fristen und Mandantenkommunikation zusammenbringen musst. Schwer wird sie vor allem dann, wenn du den Stoff lange liegen lässt. Mit regelmäßigem Lernen, guten Notizen und Rückfragen in der Kanzlei ist sie aber gut machbar.
Wie viel verdient man als Steuerfachangestellte in der Ausbildung?
Die Ausbildungsvergütung hängt von Region, Kanzlei und Kammerempfehlung ab. In vielen Fällen steigt sie von Jahr zu Jahr, weil auch deine Aufgaben und deine Verantwortung wachsen. Hier findest du einen Überblick zum Thema Gehalt.
Kann man ohne Ausbildung als Steuerfachangestellte arbeiten?
Als Steuerfachangestellte oder Steuerfachangestellter darfst du den anerkannten Berufsabschluss in der Regel erst nach bestandener Prüfung führen. In einer Kanzlei kannst du aber auch ohne klassische Ausbildung unterstützende Tätigkeiten übernehmen, wenn der Arbeitgeber dich entsprechend einsetzt.
Wie lange dauert die Ausbildung zur Steuerfachangestellten?
Die Ausbildung zur Steuerfachangestellten dauert in der Regel drei Jahre. Unter bestimmten Voraussetzungen kann sie verkürzt werden, zum Beispiel bei guter Leistung oder passender Vorbildung.
