Ausbildung zum Steuerfachangestellten: Ablauf & Abschluss
von taxspotting Redaktion 6. April 2026
Wenn du einen abwechslungsreichen Beruf mit sicheren Zukunftschancen suchst, ist die Ausbildung zum Steuerfachangestellten eine starke Option. In diesem Beruf tauchst du tief in das Steuerwesen und Rechnungswesen ein, unterstützt Steuerberater im Alltag und hast direkten Kontakt zu Mandanten.
Im Artikel erfährst du, welche Voraussetzungen du mitbringen solltest, welche Inhalte dich in jedem Ausbildungsjahr erwarten, wie Berufsschule und Kanzlei zusammenarbeiten und wie du dich gut auf die Abschlussprüfung vorbereitest. Außerdem zeigen wir dir, welche Karrierewege dir nach der Ausbildung zum Steuerfachangestellten offenstehen.
Ausbildung zum Steuerfachangestellten: Das solltest du mitbringen
Die duale Ausbildung zum Steuerfachangestellten ist relativ anspruchsvoll. Die meisten Steuerkanzleien fordern einen guten Realschulabschluss – bevorzugt werden jedoch Bewerber mit (Fach-)Abitur.
Du bist perfekt für den Beruf geeignet, wenn du:
- dich für wirtschaftliche, rechtliche und steuerliche Themen interessierst und neugierig auf das Steuerwesen bist.
- gut rechnen und mit Zahlen umgehen kannst. Das spiegelt sich auch in deinen Schulnoten wider.
- dich gut konzentrieren kannst und analytisches Denken zu deinen Stärken gehört.
- Aufgaben stets sehr sorgfältig und gewissenhaft erledigst.
- es liebst, Dinge zu planen und zu organisieren.
- kein Problem mit dem Verständnis von komplizierteren Texten wie Gesetzestexten
- es magst, serviceorientiert zu arbeiten und dir die Arbeit mit Kunden viel Freude bereitet.
- ein freundliches und selbstbewusstes Auftreten
- empathisch bist und lösungsorientiert
Das lernst du in der Ausbildung zum Steuerfachangestellten
Die Ausbildung zum Steuerfachangestellten dauert meist drei Jahre. Du wechselst zwischen Berufsschule und deiner ausbildenden Steuerkanzlei.
Berufsschule – das erwartet dich
Im schulischen Teil erhältst du Fachkenntnisse im Bereich der Allgemeinen Wirtschaftslehre, der Steuerlehre und dem Rechnungswesen. Dazu kommen ebenso allgemeinbildende Fächer wie Deutsch oder Sozialkunde. Bereits hier bekommst du einen systematischen Überblick über das Steuerwesen und bereitest dich Schritt für Schritt auf die Abschlussprüfung vor.
Ausbildungsbetrieb: Deine Aufgaben in der Steuerkanzlei
Als Azubi in einer Steuerkanzlei lernst du Schritt für Schritt die typischen Aufgaben eines Steuerfachangestellten kennen. Du arbeitest von Anfang an mit echten Mandantendaten und bekommst Einblicke in alle wichtigen Bereiche des Steuerwesens.
Lohn- und Gehaltsabrechnungen
Ein zentraler Teil deiner Arbeit sind Lohn- und Gehaltsabrechnungen für Betriebe. Du lernst, wie Bruttolöhne in Nettolöhne umgerechnet werden und wie man Kirchensteuer, Sozialabgaben und Lohnsteuer korrekt berechnet. Außerdem gehört es dazu, Mitarbeiter bei den zuständigen Sozialversicherungsträgern an- und abzumelden. So verstehst du sehr genau, wie das deutsche System aus Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung funktioniert.
Mandantenbetreuung und Beratung
Im Laufe der Ausbildung übernimmst du auch erste Aufgaben in der Mandantenbetreuung. Du bereitest Gespräche vor, nimmst Telefonate an und hilfst dabei, Fragen zu Steuern und Finanzen zu klären. Unter Anleitung gibst du Beratung und einfache Handlungsempfehlungen, mit denen Mandanten ihre finanzielle Situation verbessern können. Du wirkst an der Vorbereitung und Erstellung von Jahresabschlüssen und Steuererklärungen mit und erlebst, wie Betriebsprüfungen ablaufen und welche Unterlagen dafür nötig sind.
Buchführung und Rechnungswesen
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Buchführung der Mandanten. Du verarbeitest deren Geschäftsvorfälle zu einer ordnungsgemäßen Buchführung, lernst also, Belege richtig zuzuordnen und zu buchen. Dazu prüfst du Unterlagen wie Rechnungen, Kassenbücher und Kontoauszüge und kontrollierst die erstellten Buchführungen auf Plausibilität. Schrittweise verstehst du, wie Prozesse im Rechnungswesen aufgebaut sind und wie man sie sinnvoll organisiert und verbessert.
Organisation und kaufmännische Aufgaben
Neben den fachlichen Themen übernimmst du viele organisatorische und kaufmännische Tätigkeiten. Du achtest darauf, dass Termine und Fristen eingehalten werden, etwa gegenüber dem Finanzamt oder der Sozialversicherung. Du arbeitest Schriftsätze aus, zum Beispiel Stellungnahmen oder Einsprüche, und lernst, wie solche Schreiben formal korrekt formuliert werden. Außerdem bereitest du Unterlagen für Gesprächstermine mit Mandanten vor, sortierst und strukturierst Dokumente und sorgst dafür, dass der Steuerberater alle Informationen rechtzeitig zur Hand hat.
Ausbildung zum Steuerfachangestellten – Inhalte nach Ausbildungsjahr
- Grundlagen des Steuerwesens (zum Beispiel Einkommensteuer, Umsatzsteuer in einfachen Fällen)
- Einführung in das Rechnungswesen: doppelte Buchführung, Kontenrahmen
- Einfache Buchungssätze und Belegorganisation
- Grundbegriffe der Lohnabrechnung
- Allgemeine Wirtschaftslehre und Büroorganisation
2. Ausbildungsjahr
- Vertiefung der Steuerlehre: Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer im Detail
- Rechnungswesen: laufende Finanzbuchhaltung für kleinere Mandanten
- Lohn- und Gehaltsabrechnungen inkl. Sozialversicherung im Steuerwesen
- Vorbereitung von einfachen Jahresabschlüssen (zum Beispiel Einnahmen-Überschuss-Rechnung)
- Vorbereitung auf die Zwischenprüfung (je nach Bundesland)
3. Ausbildungsjahr
- Vertiefte Arbeiten im Rechnungswesen: Mitarbeit an Jahresabschlüssen von Unternehmen
- Komplexere Steuerfälle und Mitwirkung an Steuererklärungen für Privatpersonen und Unternehmen
- Vorbereitung und Begleitung von Betriebsprüfungen
- Wiederholung aller prüfungsrelevanten Inhalte aus Steuerwesen und Rechnungswesen
- Intensive Vorbereitung auf die Abschlussprüfung mit Musterklausuren und Prüfungstraining
Rechnungswesen in der Ausbildung zum Steuerfachangestellten
Das Rechnungswesen ist ein Kernbereich in der Ausbildung zum Steuerfachangestellten. Du lernst:
- wie Geschäftsvorfälle richtig erfasst und gebucht werden
- wie du aus Zahlen im Rechnungswesen aussagekräftige Auswertungen erstellst
- wie du Buchführungen ordnest und prüfst, damit sie den gesetzlichen Anforderungen entsprechen
Gerade im zweiten und dritten Ausbildungsjahr verbringst du einen großen Teil deiner Zeit mit Aufgaben im Rechnungswesen. Diese Grundlagen brauchst du später für Jahresabschlüsse, betriebswirtschaftliche Auswertungen und für viele Teile der Abschlussprüfung.
Ausbildung zum Steuerfachangestellten – die Abschlussprüfung
Die Abschlussprüfung ist der letzte große Schritt in deiner Ausbildung zum Steuerfachangestellten. Sie prüft, ob du alle wichtigen Inhalte aus Steuerwesen und Rechnungswesen sicher beherrschst und im Berufsalltag anwenden kannst.
Typischerweise besteht die Abschlussprüfung aus:
- schriftlichen Prüfungsteilen – zum Beispiel Steuerwesen, Rechnungswesen, Wirtschafts- und Sozialkunde
- und einem praktischen beziehungsweise mündlichen Teil, der oft ein Fachgespräch im Bereich Steuerwesen und Kanzleipraxis umfasst
In den Monaten vor der Abschlussprüfung wiederholst du mit deinem Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule die Schwerpunkte:
- Steuerarten, die in der Praxis wichtig sind (Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Gewerbesteuer)
- Aufgaben im Rechnungswesen wie Buchführung, Jahresabschluss und Lohnabrechnung
- rechtliche Grundlagen und Organisation des Ausbildungsbetriebs
Viele Kanzleien unterstützen ihre Auszubildenden zusätzlich mit internen Übungsklausuren und Prüfungsvorbereitungskursen. Plane genügend Lernzeit ein und nutze Musteraufgaben der Kammern, damit du in der Abschlussprüfung im Steuerwesen und Rechnungswesen sicher auftrittst.
Und nach der Ausbildung? Wo du später arbeiten kannst
Nach der Ausbildung zum Steuerfachangestellten kannst du zum einen in Kanzleien von Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern sowie in Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften arbeiten. Zum anderen kannst du auch in Wirtschaftsunternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Verbänden tätig sein. Überall dort, wo professionell mit Zahlen, Steuerwesen und Rechnungswesen gearbeitet wird, sind gut ausgebildete Steuerfachangestellte gefragt.
Das verdienst du während der Ausbildung zum Steuerfachangestellten
Das Ausbildungsgehalt eines Steuerfachangestellten variiert von Bundesland zu Bundesland. Zudem können Ausbildungsbetriebe die Vergütung selbst bestimmen. Meist halten diese sich dabei an die jährlichen Empfehlungen der Steuerberaterkammern. Sprich die Frage der Vergütung am besten im Vorstellungsgespräch an und informiere dich vorher bei der zuständigen Steuerberaterkammer.
Wichtig: Manche Betriebe übernehmen Kosten für Fachliteratur, Prüfungsvorbereitung oder zusätzliche Kurse zu Themen wie Rechnungswesen oder Steuerwesen, um dich optimal auf die Abschlussprüfung vorzubereiten.
5 gute Gründe für die Ausbildung zum Steuerfachangestellten
1. Sicherer Beruf: Die Ausbildung bietet dir klare Strukturen, verlässliche Rahmenbedingungen und gute Zukunftsaussichten.
2. Abwechslungsreicher Alltag: Du arbeitest mit unterschiedlichen Mandanten und bekommst spannende Einblicke in Unternehmen und private Finanzen.
3. Verantwortung von Anfang an: Der Beruf verlangt Sorgfalt, Vertraulichkeit und Empathie – und genau das macht ihn vielseitig und anspruchsvoll.
4. Viele Weiterbildungsmöglichkeiten: Ob Steuerfachwirt, Bilanzbuchhalter oder Steuerberater: Nach der Ausbildung stehen dir viele Wege offen.
5. Gute Karrierechancen: Wer motiviert ist, kann die Ausbildung als starkes Sprungbrett für die weitere berufliche Entwicklung nutzen.
