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Müssen Influencer auf TikTok Steuern zahlen?

von Annette Albrecht

von taxspotting Redaktion 20. Juli 2022

TikTok ist soziales Netzwerk und Videoportal in einem. Die Erfolgsgeschichte der App begann 2018, als sie Nachfolger von musical.ly wurde. Innerhalb von vier Jahren wuchs TikTok so schnell wie keine Social-Media-Plattform zuvor. Mehr als drei Milliarden Mal wurde die Videoclip-App bereits heruntergeladen. Vor allem unter Teenagern ist sie beliebt: User stellen kurze Videos online und unterlegen sie häufig mit bekannten Liedern oder Filmausschnitten. Ob Parodien, Stunts oder Tänze – auf TikTok finden Nutzer ein vielfältiges Videoangebot.

 

Wie können Influencer auf TikTok Geld verdienen?

Wer besonders viele Klicks und Follower hat, kann auf TikTok zum Influencer oder zur Influencerin werden und mit seinen Videos Geld verdienen. Eine große Reichweite ist für Unternehmen sehr interessant. Sie können ihre gewünschte Zielgruppe direkt ansprechen, wenn TikTok-Influencer für ihre Produkte werben.

 

Das sind die erfolgreichsten TikToker

Mit mehr als 40 Millionen Followern ist Younes Zarou der erfolgreichste deutsche TikTok-Star. In seinen kreativen Video-Clips erzeugt der 24-Jährige mit Alltagsgegenständen unerwartete visuelle Effekte.

Die erfolgreichste TikTokerin weltweit heißt Charli D’Amelio. Die 18-Jährige begeistert über 140 Millionen Follower mit Tanzvideos oder Lippensynchronisation. Laut der US-Zeitschrift Forbes soll sie im vergangenen Jahr mehrere Millionen Dollar auf TikTok eingenommen haben.

So viele Follower braucht man aber nicht, um sich mit TikTok etwas dazuzuverdienen. Bereits mit mehreren tausend Followern und mehr als 10.000 Klicks pro Video kann man mit TikTok Geld einnehmen, beispielsweise über eine Kooperation mit einem Unternehmen.

 

Müssen TikTok-Einnahmen versteuert werden?

Ja, wie alle Einnahmen, müssen auch TikTok-Einnahmen versteuert werden. Hier muss jede Steuer – Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Umsatzsteuer ­– einzeln betrachtet werden, weil ihnen unterschiedliche Regeln zugrunde liegen.

Weil sich immer mehr Influencer auf den Social-Media-Plattformen tummeln, hat sich das Bundesfinanzministerium der Thematik angenommen und einen offiziellen Leitfaden erstellt.

 

Wann muss ein Influencer Einkommensteuer zahlen?

Wer regelmäßig als Influencer aktiv ist, muss in der Regel ein Gewerbe anmelden. Dafür reicht die Absicht, Einnahmen erwirtschaften zu wollen, die höher als die Ausgaben sind. Es muss aber nur eine Steuererklärung abgeben werden, wenn die Einkünfte auf TikTok –zusammen mit anderen Einkünften – den jährlichen Grundfreibetrag von 10.347 Euro übersteigen. Mit Einkünften ist der Gewinn gemeint, der sich aus den Einnahmen abzüglich der betrieblichen Ausgaben zusammensetzt.

Gut zu wissen: Auch Werbegeschenke – egal ob Waren oder Dienstleistungen – gehören zu den Einnahmen.

Wenn die Einkünfte den Freibetrag übersteigen, muss sich der Influencer beim Gewerbeamt anmelden, die Einnahmen und Ausgaben aufzeichnen und eine Einkommensteuererklärung abgeben.

 

Wann muss ein Influencer Gewerbesteuer zahlen?

Obwohl die Tätigkeit als Influencer oder Influencerin gewerbesteuerpflichtig ist, muss die Gewerbesteuer nur

gezahlt werden, wenn der jährliche Gewinn bei mehr als 24.500 Euro liegt. Wenn dies der Fall ist, müssen Influencer dem Finanzamt eine Gewerbesteuererklärung übermitteln. Die Höhe der Gewerbesteuer ist immer von der Gemeinde abhängig, in der das Gewerbe betrieben wird.

 

Wann müssen Influencer Umsatzsteuer zahlen?

Influencer, die selbstständig und nachhaltig – also mit Wiederholungsabsicht – Einnahmen erzielen, sind Unternehmer und müssen eine Umsatzsteuererklärung für das Kalenderjahr abgeben.

Es gibt aber eine Vereinfachung für alle, die im vorherigen Kalenderjahr nicht mehr als 22.000 Euro Umsatz gemacht haben und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro einnehmen werden. In diesem Fall gelten Influencer als umsatzsteuerpflichtige Kleinunternehmer. Auf die Umsätze wird keine Umsatzsteuer erhoben, sie müssen aber einmal im Jahr an das Finanzamt übermittelt werden. Allerdings können Influencer auch freiwillig die nachfolgende Option wählen:

Wenn die Umsätze bei mehr als 22.000 Euro lagen, muss die Umsatzsteuer von 7 oder 19 Prozent auf die Leistungen erhoben und anschließend monatlich oder vierteljährlich in einer Umsatzsteuer-Voranmeldung an das Finanzamt übermittelt werden.

 

Müssen Influencer Geschenke versteuern?

Influencer können oft umsonst in Hotels übernachten oder bekommen Produkte zum Testen zugeschickt. Diese Geschenke müssen sie auch versteuern. Denn bei den Geschenken handelt es sich um Sachzuwendungen, auf die Einkommens- und Umsatzsteuer gezahlt werden muss.

Hier gibt es aber Ausnahmen: Influencer müssen solche Präsente nicht zwingend versteuern, wenn die Waren zurückgeschickt werden, sie von sehr geringem Wert sind oder das Unternehmen, mit dem der oder die Beschenkte zusammenarbeitet, die Versteuerung übernimmt. Aufgrund dieser Ausnahmen sollten Influencer immer alles dokumentieren.

Einfach keine Steuern zu zahlen, das ist in keinem Fall eine gute Idee. Soziale Medien geraten immer häufiger in den Fokus von Finanzbehörden. Wer seinen steuerlichen Pflichten nicht nachkommt, muss die nicht bezahlten Steuern nachzahlen und riskiert hohe Zinszahlungen, Geldstrafen und in Ausnahmefällen sogar eine Freiheitsstrafe.

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