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Wie lege ich erfolgreich die Steuerberaterprüfung ab?

von Annette Albrecht

von taxspotting Redaktion 14. Juni 2023

Eine der schwierigsten Berufsprüfungen in Deutschland ist die Steuerberaterprüfung. Jonas Fitschen verrät im Interview, wie er die Zeit der Vorbereitung und Prüfung wahrgenommen hat und was ihm dabei geholfen hat, diese erfolgreich zu absolvieren. Foto: © Adobe Stock

Die Durchfallquote bei der schriftlichen Prüfung zum Steuerberater beträgt rund 50 Prozent. Grund dafür ist vor allem das komplizierte und sehr breite Themenspektrum, das in der Steuerberaterprüfung abgefragt wird. Je nach Vorbereitungsmodell beginnen einige Prüfungsanwärter bereits anderthalb Jahre vor Prüfungsantritt mit den Vorbereitungen. Wir haben mit Jonas Fitschen gesprochen, der in diesem Jahr erfolgreich die Steuerberaterprüfung abgelegt hat und bei der DBB DATA in Visselhövede arbeitet.  

 

Jonas, wer hat das Zeug zum Steuerberater?

"Das Zeug zum Steuerberater haben Personen, die gerne mit Menschen arbeiten. Denn in erster Linie geht es in diesem Job um die Beratung. Es ist ein Vorurteil dieses Berufes, dass man dafür gut in Mathe sein muss. Die Rechenarbeit übernimmt heutzutage zum größten Teil der Computer. Ein gewisses Zahlenverständnis sollte natürlich trotzdem vorhanden sein. Ähnlich wie in der juristischen Arbeit ist sprachliche Genauigkeit daneben eine Schlüsseleigenschaft."

 

Und warum hast du persönlich dich dafür entschieden, Steuerberater zu werden?

"Für mich war es ausschlaggebend, mit Menschen arbeiten zu können. Ich hatte vorher einen Backoffice-Job, bei dem ich eher im stillen Kämmerchen gearbeitet habe. Deswegen habe ich mich schließlich umorientiert. Weil ich außerdem die sprachliche Präzision und die juristische Arbeitsweise gerne mag, habe ich mich dazu entschieden Steuerberater zu werden. "

 

Wie wird man eigentlich Steuerberater?

"Die typischen Wege führen über ein Studium in verwandten Bereichen wie BWL, VWL, oder Jura, oder über die Ausbildung als Steuerfachangestellter, optional mit anschließendem Fachwirt. In beiden Fällen ist anschließend noch entsprechende Berufserfahrung nötig, bevor man sich zur Prüfung anmelden darf. Im Studium macht man zunächst einen Bachelor und gegebenenfalls noch den Master. Anschließend benötigt man beim Bachelor drei, beim Master zwei Jahre Berufserfahrung. Ob man den theoretischen oder den praktischen Weg wählt, ist am Ende Geschmackssache und persönlichkeitsabhängig. Die beiden Wege sind letztendlich auf jeden Fall gleichwertig. Ich selbst bin den theoretischen Weg über das Studium gegangen. Der praktische Weg hat aber den Vorteil, dass man schon länger im Thema ist, wenn man mit der Arbeit als Berater beginnt.

Was man an dieser Stelle noch einmal hervorheben sollte: Der Steuerberater ist ein angesehener Job, an den man auch mit dem Realschulabschluss ohne Studium herankommen kann. In diesem Fall geht man nach der Realschule ab und beginnt dann eine Ausbildung. Mit anschließender Berufserfahrung kann man so auch ohne Abitur Steuerberater werden. "

 

Die Steuerberaterprüfung gilt in Deutschland als eine der schwersten Prüfungen, die man antreten kann. Wie hast du selbst diese Prüfung wahrgenommen?

"Die Prüfung selbst liegt am Ende von einer langen Vorbereitungszeit. Dieser Zeitraum ist extrem intensiv und anstrengend. In dieser Zeit ist man sehr fokussiert – wie in einem Tunnel. Der Ablauf der Prüfung ist aufgrund der Vorbereitungskurse total klar. Deswegen funktioniert man an den eigentlichen drei Prüfungstagen dann einfach."

 

Wie hast du dich auf die Prüfung vorbereitet?

"Es gibt verschiedene Wege, um sich auf die Prüfung vorzubereiten. Einige lernen monatelang in den Abendstunden oder am Wochenende. Andere werden bereits während des Studiums oder berufsbegleitend auf die Prüfung vorbereitet. Ich habe extra einen 15-wöchigen Vollzeit-Kurs belegt, an dem auch andere Prüfungsanwärter teilgenommen haben."

 

Und hattest du vor der Prüfung ein gutes Gefühl?

"Kaum jemand geht mit dem sicheren Gefühl in die Prüfung, dass er oder sie auf jeden Fall besteht. Dafür ist die Durchfallquote zu hoch, das Themenspektrum zu breit und man kann immer auf dem falschen Fuß erwischt werden. Man sagt, dass zwei Drittel Können und ein Drittel Glück ist."

 

Was waren die größten Hürden in der Vorbereitungszeit und wie hast du diese überwunden?

"Ich glaube, die größte Hürde ist der riesige Berg an Lernstoff, vor dem man steht. Man hat das Gefühl, überhaupt nicht alles schaffen zu können."

 

„Ich wollte unbedingt echten Menschen mit ihren echten Problemen im echten Leben helfen.“

Jonas Fitschen hatte stets sein Ziel vor Augen: Menschen in Steuerfragen zu beraten.

 

Und was würdest du jemandem raten, der gerade vor genau dieser Hürde steht?

"Demjenigen würde ich sagen, dass man einfach anfangen muss und dass man nicht alles im Detail wissen kann. Dafür ist das Themenspektrum einfach zu breit. Wichtig ist auch, nicht den Anspruch zu haben, alles zu 100 Prozent wissen zu müssen. Am Ende braucht man nicht alle Punkte, um zu bestehen. Ein hoher Anspruch an sich selbst ist gut, aber ein zu hoher Anspruch ist hinderlich. Daran geht man kaputt. Sich auch mal mit 95 Prozent zufriedengeben, ist zum Bestehen der Prüfung völlig in Ordnung."

 

Was hat dich motiviert, auch in anstrengenden Phasen weiterzumachen und was hat dir in dieser intensiven Zeit Freude bereitet?

"Ich hatte ein Ziel vor Augen. Ich wollte in diesem Job arbeiten. Ich wollte unbedingt echten Menschen mit ihren echten Problemen im echten Leben helfen und mein gelerntes Wissen anwenden.

Zum Durchhalten animiert, wenn man sich mit einer Gruppe auf die Prüfung vorbereitet. Für mich persönlich wäre es gar nichts gewesen, wenn ich allein mit einem Online-Kurs gelernt hätte. Dann kocht man wirklich im eigenen Saft und macht sich verrückt. Da droht der Lagerkoller. Beim 15-Wochenkurs waren wir 50 oder 60 Leute. Man fühlt sich wie in einer großen Schulklasse. Alle sitzen im gleichen Boot und alle haben das gleiche Ziel. Man kann sich gegenseitig pushen und man verbringt viel Zeit zusammen. Die Zeit schweißt zusammen und ich habe Kontakte für das spätere Berufsleben gesammelt. "

 

Hat dich die Ausbildung gut auf die Zeit im Beruf vorbereitet?

"Nicht in allen Aspekten. Theorie und Praxis sind zwei Paar Schuhe. Menschenkenntnis und mit Menschen umgehen zu können, ist ein wichtiger Teil des Jobs. Wie man einem steuerlichen Laien ein komplexes steuerliches Thema erklärt oder wie man jemandem am schonendsten erklärt, dass zum Beispiel eine hohe Nachzahlung droht, das sind eher psychologische Aspekte. Die spielen in der Prüfung keine Rolle. Diese Fähigkeiten eignet man sich aber in der Praxis an."

 

Die abschließende Frage: War es die ganze Mühe wert?

"Ja total. Wenn man mich letztes Jahr, während der Vorbereitung gefragt hätte, dann hätte ich wahrscheinlich gesagt: Tut euch das nicht an, das ist eine harte Zeit. Aber hinterher war es das Ganze allemal wert. Und wie man sieht, ist es machbar."

 

Wie läuft die Prüfung ab?

Drei sechsstündige Klausuren, ein Themenspektrum von Berufsrecht über Rechnungswesen bis europäisches Steuerrecht und ein Kurzvortrag in der mündlichen Prüfung: Das sind die Prüfungsbestandteile. In unserem Blogbeitrag "Warum ist die Steuerberaterprüfung so schwer?" werden sie detailliert erklärt.

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